Weekly COVID-19 Literature Update

Von Peter Lansberg MD, PhD, Lipidologe und Senior Clinical Staff Member im Department of Pediatrics, Section Molecular Genetics an der Universität Groningen, Niederlande, gibt es ein wöchentliches Update mit Pubmed Publikationen über Covid-19. Diesen Newsletter können Sie hier ordern

Peter Lansberg hat ferner eine Initiative gestartet, mit der er wissenschaftliche Erkenntnisse über Lipide und das Lipid.Management mit Kolleginnen und Kollegen teilen möchte. Sein „Statin Newsletter“ kann hier angefordert werden. Er ist kombiniert mit einem Blog und einer Facebook-Seite. Lansbergs Ziel ist es, Interessierte in Klinik und Forschung auf dem aktuellen Stand zu halten und den Austausch untereinander zu fördern.

 

 

18. Tag des Cholesterins: Lassen Sie Ihre Blutfettwerte messen!

Am 19. Juni 2020 ist Tag des Cholesterins

Anlässlich des diesjährigen Tags des Cholesterins empfiehlt die DGFF (Lipid-Liga) jedem, seine Blutfettwerte checken zu lassen. Wer rechtzeitig um erhöhte Werte weiß, kann sein Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankun­g entschärfen: durch einen gesundheitsförderlichen Lebensstil und wenn sinnvoll zusätzlich durch Medikamente. „Haben Sie keine Angst vor Ihren Cholesterin­werten,“ ermutigt Dr. med. Anja Vogt, stellv. Vorsitzende der DGFF (Lipid-Liga). „Wird eine Fettstoffwechselstörung früh entdeckt, können Sie selbst viel tun, und es gibt hochwirksame und sehr gut verträgliche Medikamente.“

 

Wir werden geboren mit einem durch­schnittlichen LDL-Cholesterinwert von 40 mg/dl. Bei den meisten Menschen mit unserer heute üblichen Lebens­weise bleibt es nicht dabei: Das LDL-Cholesterin und oftmals kombiniert auch die Triglyzeride steigen im Laufe des Lebens an. Bei einigen sind die Werte erblich bedingt schon im Kindesalter hoch. Aber ob niedrig oder hoch: Ein gesundheitsförderlicher Lebensstil, also nicht Rauchen, fettbewusst und Gemüse-betont essen, sportlich aktiv sein und Stress vermeiden, ist immer wichtig und hilfreich. Studien zeigen, dass gesund zu leben selbst bei erblich bedingt hohen Blutfettwerten im Laufe des Lebens von Nutzen ist.

 

EMPFEHLUNG
Reduzieren Sie Ihre „Cholesterinjahre“, also die Jahre, die Sie mit einem erhöhten LDL-Cholesterin­wert leben. Lassen Sie Ihre Blutfettwerte frühzeitig messen, halten niedrige Werte niedrig bzw. senken erhöhte.

 

Um eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung früh zu entdecken, sollten alle Blutfettwerte erstmals möglichst schon bei einer der Kinder-Vorsorge­untersuchungen oder zumindest vor der Pubertät bestimmt werden. Das birgt nicht nur die Chance, die „Cholesterinjahre“ zu reduzieren, sondern auch die, Kinder noch bewusster mit einem gesundheitsförderlichen Lebensstil aufwachsen zu lassen. Eine Umstellung fällt in späteren Jahren schwerer. Erwachsene haben zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr einmalig Anspruch auf eine ärztliche Gesundheitsunter­suchung mit Bestimmung der Blutfettwerte, ab dem 35. Lebensjahr dann alle drei Jahre beim „Check-up 35“.

 

Das Gesamtrisiko bestimmt die Zielwerte für LDL-Cholesterin

LDL-Cholesterin ist von den Blutfettwerten der wichtigste, wenn es um die Herz-Kreislauf-Gesundheit geht. Denn: Dauerhaft erhöhte Konzentrationen im Blut können zu Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arterien) und damit zu Atherosklerose (Arterienverkalkung) führen – der Vorstufe für Erkrankun­gen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungs­störungen in den Beinen. Weitere Risikofaktoren sind Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes (Diabetes mellitus), Bluthochdruck und chronische Nierenerkrankungen. Aber auch das Alter, Vererbung, Übergewicht und Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Stress und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko.

 

Ärzte ermitteln daher immer das Gesamtrisikoprofil eines Menschen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, denn es ist ausschlaggebend dafür, wie der gemessene LDL-Cholesterinwert einzuschätzen ist. Ob dieser ok oder zu hoch ist, kann nur ein Arzt bewerten. Es gibt also keinen allgemein gültigen Grenzwert, sondern es gilt:

 

Je höher das Gesamtrisiko, desto niedriger sollte der LDL-Cholesterinwert und desto intensiver sollten die Maßnahmen sein, um erhöhte Werte zu senken.

 

Leitlinien geben Orientierung auf Basis aktueller Erkenntnisse

Eine Orientierung erhalten Ärzte durch die aktuellen Leitlinien der Europäi­schen Gesellschaft für Kardiologie (European Society of Cardiology, ESC) und der Europäischen Atherosklerosegesellschaft (European Atherosclero­sis Society, EAS). Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse geben sie die Einteilung in Risikokategorien an und empfehlen den jeweils effektivsten Zielwert für LDL-Cholesterin, für den Studien das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten.

 

Für Menschen, die bereits eine Herz-Kreislaufkrankheit haben, ist neben einer konsequenten Behandlung aller o. g. Risikofaktoren die Senkung des LDL-Cholesterins besonders wichtig. Hier bietet eine Absenkung des LDL-Cholesterinwerts im Blut auf Werte unter 55 mg/dl (unter 1,4 mmol/l), in besonderen Situationen auch unter 40 mg/dl (unter 1,0 mmol/l) einen best­möglichen Schutz vor weiteren Gefäß­erkrankungen.

 

Neuere groß angelegte Untersuchungen, wie sie beispielsweise auch vor Einführung eines neuen Medikaments durchgeführt werden müssen, um dessen Effektivität und Sicherheit zu garantieren, lassen nur den Schluss zu: Je niedri­ger, desto besser. Und hier zeigt sich einmal wieder, dass das, was die Natur dem Menschen normalerweise bei der Geburt an Blutfetten mit auf den Weg gibt, ist eine gesunde Richtschnur.

 

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurden die Zielwerte für LDL-Cholesterin in den letzten Jahren immer wieder angepasst und herab­gesetzt. „Dies erfolgte eben nicht, wie einige Kritiker behaupten, um noch mehr Menschen Medikamente verschreiben zu können,“ sagt Professor Dr. med. Oliver Weingärtner, Kardiologe und Vorsitzender der DGFF (Lipid-Liga), “sondern um möglichst viele Menschenleben zu retten bzw. Patienten vor (weiteren) Gefäßschäden und einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu schützen.“

 

Tritt eine Gefäßerkrankung frühzeitig auf, sollte unbedingt auch das Lipoprotein(a) bestimmt werden, insbesondere wenn das LDL-Cholesterin nicht erhöht ist oder keine anderen Risikofaktoren vorliegen.

 

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Für Messaktionen oder Informationsveranstaltungen zum Tag des Cholesterins bietet die DGFF (Lipid-Liga) Info-Faltblätter und Poster an (kostenfrei – so lange der Vorat reicht).

LDL-Cholesterin: mehr Menschenleben retten

Medienberichte säen zunehmend Misstrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse  

 

Statt Menschen ausgewogen aufzuklären, werden sie auch in vorgeblich faktenbasierten TV-Formaten immer wieder durch einseitige Darstellungen in die Irre geführt. Beispielsweise, indem die aktuelle ESC/EAS-Leitlinie für die Behandlung von Dyslipidämien dadurch diskreditiert wird, dass die Senkung von LDL-Cholesterin-Zielwerten nur dazu dienen solle, mehr Menschen Medikamente zu verschreiben. Dabei recherchieren Redaktionen einseitig und räumen Meinungen Platz ein, statt fundiert Bericht zu erstatten und umsichtig und faktenbasiert zu informieren.

Die Datenlage: Die Empfehlungen werden nicht „radikaler, je gesünder die Menschen sind“ (wie jüngst in einem Bericht geäußert), sondern umgekehrt: Durch radikalere und frühzeitige LDL-Cholesterinsenkung bleiben die Menschen gesünder. Die Absenkung von LDL-C-Zielwerten erfolgt auf Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz für die Gefäßgesundheit und nicht mit dem unterstellten Ziel, Millionen gesunde Menschen über Nacht krank zu machen.

 Unser Rat: Folgen Sie den Empfehlungen Ihres behandelnden Arztes, denn Leitlinien sind die Basis für die ärztliche Evaluation der individuellen Person und die Anpassung der Diagnostik und ggf. Therapie an deren spezifische Situation. Oder wenden Sie sich an einen Lipidologen DGFF (verlinken auf https://www.lipid-liga.de/fortbildungen/wo-finden-sie-einen-lipidologen-dgff/). Das sind Experten, deren Wissen Sie vertrauen können. Über die Vorbeugung und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen informieren Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die DGFF (Lipid-Liga) zuverlässig.

Eine dänische Studie bestätigt bestürzend deutlich, dass Patienten, die nach negativer Berichterstattung in den Medien ihre Statin-Therapie beenden, ein höheres Risiko haben, einen Myokardinfarkt zu erleiden und an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, als die Patienten, die das Statin weiter einnehmen.Studie